SP Rapperswil-Jona

Kommentar: E-Voting

Leserbrief von Dan Kamm zum Artikel "Verein warnt vor E-Voting"

Unsere heutige Gesellschaft erwartet E-Governance. Es ist kaum zu verstehen, warum sehr viele Aspekte im Leben über das Internet geschehen, die Gemeindeverwaltung und die Ausübung der politischen Rechte jedoch nicht. So gesehen ist E-Voting der richtige Schritt, damit auch die Generation Z am politischen Leben teilnimmt.

E-Voting per Internet muss aber hohe Erwartungen erfüllen. Den des Vereins coredump angesprochenen Anforderungen und deren Kritik ist nichts entgegenzusetzen. Das vom Kanton Genf entwickelte und betriebene E-Voting System 'CHVote' erfüllt meiner Auffassung nach sehr viele dieser Aspekte befriedigend bis gut. Der Code des Systems wurde unter Opensource Lizenz veröffentlicht, die kryptografischen Hintergründe und prozesslichen Abläufe erklärt, das Stimmgeheimnis gewahrt.

Wir dürfen nicht erwarten, dass die digitale Umsetzung eines manuellen Prozesses von Anfang an zu 100% perfekt ist. Wir müssen aber sicherstellen, dass fundamentale Anforderungen erfüllt sind und dass das System weiterentwickelt wird damit weitere Anforderungen in Zukunft erfüllt werden. Ich glaube an den Erfolg einer iterativen Vorgehensweise bei der Digitalisierung.

Aber: Wir dürfen nicht päpstlicher als der Papst sein. Abstimmungen und Wahlen per Papier erfordern ebenfalls ein grosses Vertrauen in diejenigen, die mit den Stimmzetteln arbeiten: Post, Mitarbeitende der Verwaltung, Stimmenzähler an der Urne und beim Auszählen. Angriffsvektoren sind auch hier mannigfaltig, Manipulationen oder auch Fehler sind einfach möglich. Das Risiko oder die Auswirkung von Manipulationen ist jedoch nicht grossflächig; es können nur wenige Stimmen verändert werden. Auch muss bedacht werden, dass wir in einer Welt mit begrenzt verfügbaren Finanzen leben. Das von vielen Seiten geforderte System kann nicht gratis entwickelt und betrieben werden. Die Kosten übernimmt der Steuerzahler.

Ich persönlich begrüsse die Möglichkeit von E-Voting, verlange aber, dass über einen langen Zeitraum die gemachten Erfahrungen gesammelt werden und das System weiter iterativ gepflegt und weiterentwickelt wird. Nur weil wir zu müde sind, Wege und Möglichkeiten zu suchen um unsere eigenen hohen Anforderungen umzusetzen, dürfen wir nicht auf die ersten Erfahrungen im Umgang verzichten. Stillstand ist Rückschritt.

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Dan Kamm ist IT System Ingenieur in einer Firma, bei der sich alles um Digitalisierung dreht. Er ist seit Kindesbeinen fasziniert und vertraut mit Elektronik und Digital und fördert und fordert die neuen Möglichkeiten in Politik und Gesellschaft als Mitglied des Vorstands der SP Rapperswil-Jona. Er ist gewählter Stimmenzähler in Rapperswil-Jona und kennt das Wahlbüro von Rapperswil-Jona von innen.

Nächste Termine

  • Mi, 29.08. Mitgliederversammlung, 19:00 Neuhof
  • Do, 6.9. Bürgerversammlung, 19:30 Kreuz
  • So, 23.9., Abstimmungssonntag

 

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